Das „Diet Weed“ THCV: Wirkung, Anwendung & Erfahrungen

Das „Diet Weed“ THCV: Wirkung, Anwendung & Erfahrungen

Geschrieben von: Pia Franziska Kraus

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Lesezeit 7 min

Das „Diet Weed“ THCV: Wirkung, Anwendung & Erfahrungen

THC, CBD … Die Liste an Cannabinoiden, die natürlicherweise in Cannabispflanzen gefunden werden können, ist lang. Eines davon nennt sich THCV oder auch „Diet Weed“. Worum es sich dabei handelt, welche Wirkung dem Cannabinoid zugeschrieben wird und wie es am besten dosiert wird, erklären wir in diesem Artikel.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

THCV steht für „Tetrahydrocannabivarin“, wobei es sich um ein selteneres Cannabinoid handelt.

Es kommt wie THC und CBD ebenfalls in der Cannabispflanze vor, jedoch meist nur in Spuren.

Da es den Appetit hemmt und das Sättigungsgefühl steigert, nennt man es auch „Diet Weed“.

Gerade bei Diabetes sowie bei der Gewichtsregulierung kommt THCV ins Spiel.

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THCV im Überblick: Was ist THCV und warum wird es das „Diet Weed“ genannt?

Den meisten Konsumenten und Patienten ist THC ein Begriff. Tetrahydrocannabinol (THC) ist eines der bekanntesten Cannabinoide der Cannabispflanze. THCV – das steht für Tetrahydrocannabivarin – ist ein selteneres Cannabinoid.


Es unterscheidet sich von THC durch eine kürzere Propyl-Seitenkette. Einfach ausgedrückt, bedeutet das, dass dieses Cannabinoide chemisch etwas anders zusammengesetzt ist als THC. Damit fällt auch seine Wirkung etwas anders aus. THCV und THC sind nicht dasselbe!


THCV wurde erstmals im Jahr 1971 als natürlicher Bestandteil der Cannabispflanze isoliert und beschrieben. In der Regel ist das Cannabinoid allerdings nur in Spuren enthalten – der THCV-Gehalt einer Cannabispflanze liegt in der Regel bei unter 1 %. Es gibt jedoch auch Sorten, in denen mehr THCV zu finden ist.


Ein Begriff, unter dem THCV bekannt ist, ist „Diet Weed“. Das bedeutet auf Deutsch so viel wie „Diät-Gras“. Doch woher stammt diese Bezeichnung? Im Gegensatz zu THC, das dafür bekannt ist, nach dem Konsum für Heißhungerattacken zu sorgen und generell den Appetit anzuregen, soll THCV den Appetit unterdrücken und das Sättigungsgefühl steigern. Das hat ihm den Namen „Diet Weed“ beschert.

Tipp: Die Wirkung von THC haben wir in einem separaten Artikel ausführlich erklärt.

Wirkung von THCV auf Körper und Gehirn

THCV klingt fast wie THC. Es drängt sich also die Frage auf: Ist THCV psychoaktiv? Tatsächlich zeigt das Cannabinoid eine dosisabhängige Aktivität am CB1-Rezeptor im menschlichen Endocannabinoid-System. Niedrig dosiert wirkt es eher nicht berauschend, doch in hohen Dosen kann es für einen kurz anhaltenden, klaren Rauschzustand führen. Jedoch sind die Forschungsergebnisse hierzu noch begrenzt.


Worauf die aktuelle Studienlage jedoch hindeutet, sind folgende Effekte:


  • appetithemmend: THCV soll den Appetit zügeln und das Sättigungsgefühl steigern.
  • neuroprotektiv: Eine Tierstudie deutet darauf hin, dass THCV antioxidative Mechanismen in Gang setzt und dadurch eine neuroprotektive Wirkung haben soll. Vor allem bei Parkinson-Patienten kann das Linderung verschaffen.
  • entzündungshemmend: Weitere Tierversuche zeigen, dass THCV womöglich antiinflammatorisch, also entzündungshemmend wirkt. Gleichzeitig soll das Cannabinoid entzündliche Schmerzen lindern.
  • insulinsensitivitätssteigernd: Gerade bei Diabetes-Patienten spielt die Insulinsensitivität eine große Rolle. THCV soll sie erhöhen und die Nüchternglukose senken sowie andere positive Effekte im Glukosestoffwechsel hervorrufen.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass THCV gerade für Diabetes-Patienten und Personen, die auf eine Gewichtsregulation angewiesen sind, Vorteile haben kann.


THCV trägt neben dem Namen „Diet Weed“ auch die Bezeichnung „Rennauto“-Cannabinoid. Das liegt daran, dass Nutzern zufolge sehr schnell eine Wirkung einsetzt, diese aber schnell wieder abklingt. Dieses Kurzzeit-High ist charakteristisch für THCV. Dennoch wird die Wirkung – wie es auch bei den anderen Cannabinoiden der Fall ist – von verschiedenen Faktoren beeinflusst. THCV wirkt somit nicht bei jedem Menschen gleich.

THCV vs. THC: Wirkung und Dosierung im Überblick

Die Anwendungsbereiche und Dosierung von THCV und THC unterscheiden sich deutlich. Nur weil die Cannabinoide einen ähnlichen Namen haben, solltest du nicht von einem auf das andere schließen.


Wie bereits erwähnt, blockiert niedrig dosiertes THCV (5 bis 10 mg) die CB1-Rezeptoren. In höheren Dosen über 10 mg kommt es erst zu einem High – wenn auch sehr kurz und stimulierender als bei THC. Anfangen solltest du mit 2 bis 5 mg – es sei denn, dein Arzt empfiehlt dir eine andere Anfangsdosis. Nach und nach kannst du die Dosierung anpassen, aber nur, wenn du dich damit wohlfühlst. 

Synergieeffekte und Kombinationsmöglichkeiten

THCV kann die Wirkung von THC in niedrigen Dosen abmildern. Das bedeutet, dass es in der Lage ist, Heißhunger zu reduzieren. Aber auch bei Paranoia, die zu den Nebenwirkungen von THC zählt, soll THCV ausgleichend wirken. Gemeinsam mit CBD, dem ähnliche Eigenschaften zugeschrieben werden, soll THCV eine noch stärkere angstlösende und entzündungshemmende Wirkung haben. Einige Sativa-Strains arbeiten auf natürliche Weise genauso.

Erfahrungsberichte von Patienten

Zu THCV gibt es noch nicht viele Studienergebnisse. Allerdings kannst du auf Erfahrungsberichte von Patienten zurückgreifen. Viele Nutzer beschreiben THCV als energiegeladen und fokussierend. Da es vor allem bei Diabetes und Gewichtsmanagement zum Einsatz kommt, ist eine berauschende oder sedierende Wirkung nicht erwünscht. Tatsächlich bleiben diese Effekte laut Nutzern aus, wenn THCV in der korrekten Dosis eingenommen wird. Bei Überdosierung kommt es allerdings zu Nebenwirkungen. Somit ist es immer wichtig, mit einer geringen Dosis zu starten und diese nur langsam anzupassen.

Konsumformen von THCV: Blüten, Vape und Edibles

THCV kommt – genauso wie andere Cannabinoide – natürlicherweise in der Cannabispflanze vor. Nur ist der Gehalt an THCV sehr gering. In den meisten Sorten sind nur Spuren von THCV enthalten. Wie kannst du THCV also konsumieren, wenn du es zu Therapiezwecken einnehmen willst? Wir haben die 3 gängigsten Konsumformen in den Vergleich gestellt:


Konsumform

Wirkeintritt

Wirkdauer

Vorteile

THCV-Blüten

5-10 Minuten

1-3 Stunden

Natürlich, aromatisch

THCV-Liquids

1-5 Minuten

1-2 Stunden

Präzise dosierbar, diskreter, sehr schnelle Wirkung

THCV-Edibles

30-90 Minuten

4-6 Stunden

Geruchsfrei, langanhaltende Wirkung, diskret


In Deutschland sind THCV-Produkte legal, wenn der THC-Gehalt unter 0,3 % liegt. Das ist die gleiche Regelung, die auch auf CBD zutrifft. Wichtig hierfür ist außerdem, dass sie als Nahrungsergänzungsmittel gelten. Dann fallen sie nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und sind frei verkäuflich. Wenn es sich allerdings um ein medizinisches Produkt handelt, benötigst du ein ärztliches Rezept, das du in der Apotheke einlöst.


THCV-Produkte wie Blüten, Öle oder Edibles lassen sich also legal nutzen, wenn sie nicht psychoaktiv wirken und spezielle Laborzertifikate den THC-Grenzwert bestätigen. Ideal ist es, dich von deinem Arzt beraten zu lassen. Dieser kann dir – falls nötig – ein Rezept ausstellen und dich zur Legalität von THCV-Präparaten beraten. Wir haben uns in einem separaten Artikel bereits mit Tipps für Cannabis auf Rezept befasst.

Hinweis: Häufig werden THCV und THC in Arzneimitteln kombiniert. In diesen Fällen benötigst du zwangsläufig ein Rezept, da THC in Deutschland rezept- und apothekenpflichtig ist.

THCV-Strains: Wo ist das Cannabinoid enthalten?

Die meisten gängigen Sorten weisen nicht mehr als 1 % THCV auf. Die Extraktion großer Mengen des Cannabinoids ist daher recht teuer. Gibt es THCV-Strains, in denen mehr von dem Cannabinoid enthalten ist?


Tatsächlich hat in Nachkommen reiner Sativa-Landrassen aus Afrika und Nepal höhere THCV-Gehalte entdeckt. Dies bietet die optimale Grundlage für gezielte Züchtungen. Die Kreation von THCV-Strains gehört somit zu den neuen Herausforderungen von Cannabiszüchtern.


Die höchsten Mengen an THCV sind in folgenden Cannabissorten zu finden:


  • Durban Poison
  • Jack the Ripper
  • Doug’s Varin

Die aus der Sorte Jack the Ripper hervorgegangenen Sorten Power Flower und Mother Gorilla weisen ebenfalls höhere Mengen an THCV auf. Und auch Nachkommen von Durban Poison wie Royal Cookies produzieren mehr von dem Cannabinoid. Aktuell gibt es allerdings noch nicht die eine THCV-Cannabissorte

Hinweis: Häufig werden THCV und THC in Arzneimitteln kombiniert. In diesen Fällen benötigst du zwangsläufig ein Rezept, da THC in Deutschland rezept- und apothekenpflichtig ist.

THCV richtig anwenden im Alltag


THCV kann als Nahrungsergänzungsmittel und gering dosiert im Alltag eingesetzt werden. Manche verwenden es als Mittel für mehr Fokus und Konzentration, andere wollen damit abnehmen. Verwechsle THCV jedoch nicht mit einer Diätpille, sondern setze für eine langfristige Gewichtsabnahme eher auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung.


Um von dem Cannabinoid THCV profitieren zu können, solltest du mit einer niedrigen Dosierung starten. Beobachte, wie sich dein Körper verhält. Wenn alles in Ordnung ist und du keine Nebenwirkungen verspürst, allerdings mit den Effekten noch nicht zufrieden bist, kannst du die Dosis über die nächsten Tage langsam steigern. Achte auf regelmäßige Pausen, um keine Toleranz aufzubauen.


Idealerweise integrierst du THCV in deine alltäglichen Routinen. Manche nehmen das Cannabinoid morgens für mehr Klarheit oder vor dem Sport für mehr Energie beim Training ein. Andere nutzen THCV abends gegen Snackgelüste, um ihren Heißhunger zu unterdrücken.


Damit du dich und andere nicht gefährdest, solltest du nach der Einnahme von THCV kein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen, wenn du dich unsicher fühlst. THCV ist stärker dosiert potenziell psychoaktiv, was deine Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und damit deine Sicherheit gefährden kann.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Die Studien, die bisher zu THCV durchgeführt wurden, zeigten, dass das Cannabinoid insgesamt gut verträglich ist. Da es in hohen Dosen jedoch psychoaktiv wirken kann, gehören innere Anspannung, Unruhe und Müdigkeit zu den möglichen Nebenwirkungen. Im Vergleich zu THC kommt es selten zu Schläfrigkeit und Mundtrockenheit.

Vorsicht ist jedoch bei folgenden Personengruppen geboten:


  • Personen mit Herz- oder Lebererkrankungen
  • Personen mit psychischen Erkrankungen
  • Schwangere oder stillende Frauen

Generell empfiehlt es sich, die Einnahme von THCV vorab mit einem Arzt abzuklären. Dieser kann einschätzen, ob sich eine Cannabistherapie mit THCV eignet und ob sich das Cannabinoid mit eventuellen anderen Medikamenten, die du einnimmst, verträgt.

Fazit

THCV ist ein Cannabinoid, dem immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es wird vor allem zur Gewichtsregulation und bei Diabetes eingesetzt. Der Name „Diet Weed“ deutet darauf hin, wie THCV wirkt. Um eine Cannabistherapie mit THCV durchführen zu können, benötigst du genauso wie bei THC-Präparaten ein Rezept, da medizinisches Cannabis allgemein rezeptpflichtig ist. Zudem wird THCV häufig mit THC kombiniert.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu THCV

Ist THCV psychoaktiv?

In geringen Dosen wirkt THCV nicht psychoaktiv und macht daher nicht high. Im Gegenteil: THCV soll sogar psychoaktiven Effekten entgegenwirken können.

Hilft THCV beim Abnehmen?

Das Cannabinoid reguliert Hunger und Stoffwechsel, sodass du durch die Einnahme wohl tatsächlich abnehmen könntest. Allerdings solltest du THCV nicht als „Diätpille“ verwenden, sondern eher auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung setzen.

Ist THCV legal in Deutschland?

Solange der Gehalt von THC bei unter 0,3 % liegt, sind Produkte mit THCV legal und frei verkäuflich. Medizinische Produkte können jedoch nur mit Rezept erworben werden.

Was ist stärker – THCP oder THCV?

Neben Tetrahydrocannabivarin (THCV) gibt es noch das Cannabinoid Tetrahydrocannabiphorol (THCP). THCP gilt als deutlich stärker als THCV, was die psychoaktive Potenz betrifft. Zudem bindet es bis zu 33-mal stärker an CB1-Rezeptoren als THC oder THCV. Die Anwendungsbereiche sind gänzlich verschieden.