Antibiotika und Cannabis: Was du wissen solltest

Antibiotika und Cannabis: Was du wissen solltest

Written by: Pia Franziska Kraus

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Antibiotika und Cannabis: Was du wissen solltest

Bei manchen Erkrankungen ist es nötig, Antibiotika einzunehmen. Doch was, wenn du dich gerade in einer Cannabistherapie befindest? Alles, was du über die Wechselwirkungen zwischen Antibiotika und Cannabis wissen solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Sowohl Antibiotika als auch Cannabis wirken auf den Körper ein.

Bei der Kombination beider Substanzen kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen.

Allerdings wird auch erforscht, ob bestimmte Cannabinoide einige Antibiotika vielleicht sogar unterstützen können.

Grundsätzlich ist von der gemeinsamen Einnahme von Antibiotika und Cannabis abzuraten.

Außerdem empfiehlt es sich, diesbezüglich ärztlichen Rat einzuholen, um auf Nummer sicher zu gehen.

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Wie wirken Antibiotika und Cannabis im Körper?

In der Cannabispflanze sind rund 100 verschiedene Cannabinoide enthalten. Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) gelten als die beiden bekanntesten und kommen auch gezielt in der Medizin zum Einsatz. Doch wie wirken sie im Körper überhaupt?


Der menschliche Körper verfügt über ein Endocannabinoid-System – kurz: ECS. In diesem befinden sich sogenannte CB1- und CB2-Rezeptoren. Cannabinoide sind dazu in der Lage, direkt an diesen Rezeptoren anzudocken und bestimmte Effekte hervorzurufen. So ist beispielsweise eine Schmerzmodulation möglich, aber auch das Immunsystem, der Appetit und Entzündungsprozesse können beeinflusst werden.


Die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems sind im ganzen Körper – also in verschiedenen Geweben und Organen – verteilt. Auch im Immunsystem sowie im Gehirn findet man CB1- und CB2-Rezeptoren. Verstoffwechselt werden Cannabinoide – wie viele andere Arzneimittel – in der Leber.


Und wie funktionieren Antibiotika? Dabei handelt es sich um Substanzen, die speziell zu dem Zweck eingesetzt werden, bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Je nach Medikament verhindern sie die Vermehrung von Bakterien oder töten sie direkt. Antibiotika lassen sich in unterschiedliche Klassen unterteilen:


  • Tetracycline: Hier wird die Fähigkeit von Bakterien, Proteine zu produzieren, gehemmt, wodurch sie nicht wachsen und überleben können.
  • Makrolide: Diese Antibiotika manipulieren die bakterielle Proteinsynthese und stoppen damit die Wachstumsfähigkeit der Bakterien.
  • Penicilline: Diese Klasse an Antibiotika hindert Bakterien daran, Zellwände zu bilden, woraufhin sie platzen.

Bei einer Antibiotikatherapie muss man auf zwei entscheidende Dinge achten:


  1. Antibiotika töten nicht nur schlechte, sondern auch gute Bakterien. Die nützlichen Bakterien, die zum Beispiel die Darmflora ausmachen, sollten so wenig wie möglich geschädigt werden.
  2. Die richtige Dosierung ist entscheidend. Andernfalls kann es zu einer Resistenz kommen, was bedeutet, dass dein Körper nicht mehr auf die Einnahme von Antibiotika reagiert.

Antibiotika gelten als sehr wirksam, gehen allerdings auch mit einigen möglichen Nebenwirkungen einher. Verdauungsprobleme gehören zu den häufigsten unerwünschten Nebeneffekten. Zudem werden Antibiotika vorwiegend in der Leber verstoffwechselt, indem sie von Leberenzymen abgebaut und ausgeschieden werden. Andere Medikamente oder Substanzen können mit Antibiotika um genau diese Enzyme konkurrieren, wodurch die Verstoffwechselung beeinträchtigt wird.

Übrigens: Tipps, wie du Cannabis auf Rezept erhältst, erfährst du in unserem separaten Artikel zu dem Thema.

Antibiotika und Cannabis: Mögliche Wechselwirkungen

Sowohl Antibiotika als auch Cannabis greifen in gewisser Weise in das Geschehen in deinem Körper ein. Es liegt also auf der Hand, dass du zunächst überprüfen solltest, ob du die beiden Arzneimittel kombinieren solltest.


Cannabis und Antibiotika wirken recht unterschiedlich, doch es gibt mögliche Wechselwirkungen, die du berücksichtigen solltest. Wichtig zu wissen ist, dass Cannabis nicht mit allen Arten von Antibiotika gleich interagiert. Wir haben die 3 häufigsten möglichen Wechselwirkungen für dich zusammengetragen.

1. Konkurrenz um Leberenzyme

Wie bereits erwähnt, werden beide in der Leber verstoffwechselt, wodurch es zu einer Konkurrenz um Leberenzyme kommt. Das bedeutet, dass sowohl Antibiotika als auch Cannabis auf die Enzyme angewiesen sind, der Körper sie durch die gleichzeitige Einnahme jedoch nicht in ausreichender Menge produziert.


Das kann dazu führen, dass die Wirkung nicht wie gewünscht ausfällt. So kann es zum Beispiel passieren, dass das Cannabis zuerst verarbeitet wird. Das verlangsamt den Abbau von Antibiotika, sodass sie länger im Blutkreislauf verweilen. Andersherum kann es passieren, dass die eingenommenen Antibiotika zuerst verarbeitet werden und daraufhin die Wirkstoffe des Cannabis länger im Körper bleiben.


Was bedeutet das in der Praxis? Die Nebenwirkungen von Antibiotika und Cannabis können verstärkt werden. Es kann aber auch passieren, dass das Cannabis länger als gewohnt wirkt. Kurzum: Die Wirkung der Arzneimittel wird unvorhersehbar.

2. Verstärkte Nebenwirkungen

Antibiotika und Cannabis können in der Kombination gegenseitig ihre Nebenwirkungen verstärken. Das liegt nicht nur an der Konkurrenz um Leberenzyme, sondern auch daran, dass sich einige potenzielle Nebenwirkungen von Antibiotika und Cannabis überschneiden. Schwindel, Schläfrigkeit und Verdauungsstörungen sind nur einige Beispiele dafür. Gerade THC-lastige Sorten bergen ein höheres Risiko.

Kombiniert man nun zwei Substanzen, die ähnliche Nebenwirkungen mitbringen, ist klar: Die Effekte können noch stärker ausfallen. Extreme Müdigkeit oder Schläfrigkeit können deinen ganzen Alltag beeinflussen.

3. Beeinflussung der Immunreaktion

Eine weitere mögliche Wechselwirkung zwischen Antibiotika und Cannabis betrifft das Immunsystem. Cannabis kann die Immunfunktion beeinflussen. So kann es einerseits entzündungshemmend wirken, andererseits aber auch die Immunreaktion unterdrücken.


Wenn du parallel Antibiotika einnimmst, kann das die natürliche Reaktion deines Körpers entweder hemmen oder unterstützen. Auch hier gilt: Die Wirkung von Antibiotika und Cannabis wird unvorhergesehen. Zudem deuten Studien darauf hin, dass Cannabis dadurch die Effekte von Antibiotika beeinträchtigen kann.

Cannabis und Antibiotika als gegenseitige Ergänzung – ist das möglich?

Neben den möglichen Wechselwirkungen und negativen Effekten gibt es auch Stimmen, die sich für das genaue Gegenteil aussprechen. Können Antibiotika und Cannabis gemeinsam eingenommen werden, um sich gegenseitig zu ergänzen?


Cannabis werden entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Und so kommt man zu der Theorie, dass Cannabis vielleicht sogar dabei helfen könnte, antibiotikaresistente Bakterienstämme zu bekämpfen. Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass Cannabinoide diverse Bakterien, die mitunter schwere Infektionen nach sich ziehen können, abtöten können. Hier wird vor allem das Cannabinoid CBD genannt. Anders als bei Antibiotika, bei denen die Bakterien eine Resistenz aufbauten, blieb CBD die Studie hindurch wirksam.


Somit wird aktuell erforscht, ob Cannabis die Wirksamkeit gewisser Antibiotika vielleicht nicht sogar unterstützen könnte. Gerade bei multiresistenten Keimen sollen CBD und Cannabigerol (CBG) – ein anderes Cannabinoid der Cannabispflanze – vermehrt eingesetzt werden.


Allerdings sind die Forschungen dazu noch im Gange, weshalb keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden kann. Bis dahin solltest du dich an den Rat deines Arztes halten und lieber auf Nummer sicher gehen. Um keine Wechselwirkungen zu riskieren, ist es gewiss klug, Antibiotika und Cannabis vorerst nicht zu kombinieren.

Patientenerfahrungen: Cannabis während einer Antibiotikatherapie

Viele Patienten nehmen medizinisches Cannabis gegen Schmerzen ein – beispielsweise aufgrund von chronischen Erkrankungen. Wenn nun eine bakterielle Infektion hinzukommt, die einer Antibiotikatherapie bedarf, stehen sie vor einer schwierigen Frage: Sollen Antibiotika und Cannabis einfach kombiniert werden? Oder verzichtet man auf das eine oder andere Arzneimittel?


Ob sich Antibiotika und Cannabis vertragen – da sind sich Patienten tatsächlich uneinig. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Kombination von Antibiotika und Cannabis umstritten ist. Wechselwirkungen sind definitiv keine Seltenheit.

Tipps für einen sicheren Umgang mit Antibiotika und Cannabis

Befindest du dich in einer Cannabistherapie und sollst nun zusätzlich Antibiotika einnehmen? Dann solltest du unbedingt folgende Tipps berücksichtigen:


  1. Informiere deinen Arzt: Bevor du Antibiotika und Cannabis gemeinsam einnimmst, ist es unverzichtbar, mit deinem behandelnden Arzt darüber zu sprechen. Hier kann abgeklärt werden, ob eine Kombination sinnvoll ist oder nicht. Womöglich lässt sich so auch eine sichere Alternative finden.
  2. Achte auf eine richtige Einnahme: Sowohl bei Antibiotika als auch bei Cannabis gilt, dass die richtige Einnahme das A und O für eine erfolgreiche Therapie ist. Halte dich immer daran, was dein Arzt dir verschreibt.
  3. Überwache die Dosierung: Kurz vor und während der Einnahme von Antibiotika solltest du deine Cannabisdosis – natürlich nach Absprache mit deinem Arzt – reduzieren. So kannst du die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen minimieren.
  4. Beobachte dein Empfinden: Wenn es dir während der Therapie nicht gut geht oder du ungewöhnliche Nebenwirkungen verspürst, solltest du das dringend abklären lassen.
  5. Nimm nicht beides zur gleichen Zeit: Bei der Kombination von Antibiotika und Cannabis ist es ratsam, beides nicht exakt zur gleichen Zeit einzunehmen. Das kann das Risiko minimieren, dass die beiden Substanzen um Leberenzyme konkurrieren. Allgemein lassen sich dadurch unerwünschte Wechselwirkungen reduzieren.

Wenn du dir unsicher bist oder dich nicht wohlfühlst, Antibiotika und Cannabis zu kombinieren, da noch nicht ausreichend Forschungsergebnisse dazu vorliegen, solltest du von der gemeinsamen Einnahme lieber absehen. Auch ein transparentes Gespräch mit deinem Arzt kann dabei helfen, deine Sorgen bezüglich der Kombination von Antibiotika und Cannabis zu minimieren. Was du auf keinen Fall tun solltest, ist, Experimente vorzunehmen. Wenn du nicht weißt, wie dein Körper auf die gleichzeitige Einnahme von Antibiotika und Cannabis reagiert, ist es keine gute Idee, das einfach auszuprobieren.

Fazit

Antibiotika und Cannabis wirken auf verschiedene Weise auf den Körper, haben jedoch auch ein paar Gemeinsamkeiten. So kann es passieren, dass Wechselwirkungen zwischen Antibiotika und Cannabis entstehen. Daher solltest du dich immer an den Rat deines Arztes halten und die beiden Substanzen nicht einfach auf gut Glück miteinander kombinieren. Besser ist es, keine Risiken einzugehen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Antibiotika und Cannabis

Hat Cannabis eine Wirkung auf Antibiotika?

Antibiotika und Cannabis beeinflussen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenseitig. Allerdings lässt sich nicht pauschal sagen, wie die Wechselwirkungen ausfallen, da es unterschiedliche Klassen von Antibiotika und verschiedene Cannabissorten gibt. Auch die Darreichungsform von Cannabis kann einen Einfluss darauf haben, wie es mit Antibiotika zusammenwirkt.

Welche Medikamente darf man nicht mit Cannabis nehmen?

Es gibt ein paar Medikamente, die du auf keinen Fall mit Cannabis nehmen solltest. Dazu gehören alle, die die Leberenzyme beeinflussen. Auch Beruhigungs- und Schlafmittel, Antidepressiva, Gerinnungshemmer und Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vertragen sich nicht mit Cannabis. Zudem gilt die Kombination von Antibiotika und Cannabis nicht als empfehlenswert.

Was darf man nicht konsumieren, wenn man Antibiotika nimmt?

Wenn du Antibiotika einnimmst, solltest du weder Alkohol noch Cannabis oder Nikotin und andere Rauschmittel konsumieren. Sie alle können die Verstoffwechselung der Medikamente verändern, was unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen kann.

Ist es schlimm, wenn man Antibiotika nimmt und raucht?

Antibiotika sollten weder mit einer herkömmlichen Zigarette noch mit einem Joint kombiniert werden. Selbst dann wenn du „nur“ CBD rauchen möchtest, solltest du das besser nicht während deiner Antibiotikabehandlung tun. Generell solltest du vom Rauchen absehen, da es noch ganz andere gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

Vertragen sich CBD-Produkte mit Antibiotika?

Zwar gibt es Studien, die darauf hindeuten, dass CBD bestimmte Antibiotika in ihrer Wirkung unterstützen kann. Doch es gibt ebenfalls Erfahrungen, die das genaue Gegenteil zeigen. Daher solltest du Antibiotika nicht einfach mit Cannabinoiden kombinieren, wenn du dies nicht vorab mit deinem Arzt besprochen hast.