Cannabis bei Endometriose: Studien, Anwendung & praktische Tipps
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Patientinnen mit Endometriose leiden stark unter den Symptomen. Für viele ist der Alltag stark eingeschränkt und ein hohes Wohlbefinden ist kaum möglich. Cannabis kommt bei verschiedenen Erkrankungen zum Einsatz – doch hilft es auch bei Endometriose? Wie Cannabis bei Endometriose helfen kann und was du über die Anwendung wissen solltest, erfährst du jetzt.
Cannabis kommt bei vielen Erkrankungen zum Einsatz – auch bei Endometriose.
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die mit einer Reihe an Beschwerden wie chronischen Schmerzen einhergeht.
Die Cannabis-Wirkstoffe THC und CBD sollen bei Endometriose Schmerzen reduzieren, Entzündungen hemmen und die Stimmung verbessern.
Für eine Cannabistherapie solltest du dich immer gut mit deinem Arzt abstimmen.
Rund 10 bis 15 % aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an Endometriose. Und obwohl so viele Frauen davon betroffen sind, wissen viele nicht, was es damit überhaupt auf sich hat. Die Symptome – zum Beispiel sehr starke Regelschmerzen – werden meist nicht richtig zugeordnet, weshalb eine Diagnose häufig erst sehr spät erfolgt. Der Leidensdruck ist für manche Betroffene allerdings groß.
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die dadurch entsteht, dass außerhalb der Gebärmutter Gewebe wächst, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Häufig siedelt sich das Gewebe an verschiedenen Organen an – zum Beispiel an den Eierstöcken, den Eileitern, dem Bauchfell, dem Darm oder der Blase. Da das Endometriose-Gewebe theoretisch an jeder Stelle des Körpers wachsen kann, kommt es in seltenen Fällen auch außerhalb des Bauchraums vor – zum Beispiel in der Lunge.
Manche Endometriose-Patientinnen haben keine Beschwerden. Dann besteht auch kein Behandlungsbedarf. Doch etwa die Hälfte der Betroffenen müssen dauerhaft therapiert werden. Denn die Symptome einer Endometriose sind nicht ohne:
Endometriose beeinflusst zudem das Immunsystem und den Hormonhaushalt. Daher gilt sie als systematische Erkrankung, was ein Zusammenspiel von Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen erfordert.
Sogenannte Endometriose-Herde sind also Ansammlungen des Gewebes. Sie werden zwar als gutartig eingeordnet, können aber in anderes Gewebe hineinwachsen und dort bleibende Schäden verursachen. Oftmals kommt es dadurch auch zu entzündlichen Prozessen.
Wie soll Cannabis bei den Beschwerden, die im Zuge einer Endometriose-Erkrankung auftreten, helfen können? Um das zu verstehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze und wie sie im Körper wirken.
Der menschliche Körper verfügt über ein sogenanntes Endocannabinoid-System (ECS), das über zwei Typen von Rezeptoren verfügt:
Während sich CB1-Rezeptoren überwiegend im Gehirn und im zentralen Nervensystem befinden, sind CB2-Rezeptoren vor allem in Immunzellen und ausgewählten Neuronen zu finden. Die in Cannabis enthaltenen Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) docken direkt an den Rezeptoren an und entfalten dort ihre Wirkung.
THC ist das Cannabinoid, das an den CB1-Rezeptoren bindet und damit dein Schmerzempfinden beeinflussen kann. Doch nicht nur das: THC soll auch Übelkeit reduzieren und deinen Appetit anregen können. Allerdings gehört zu den Begleiterscheinungen eine psychoaktive Wirkung. Demnach ist Tetrahydrocannabinol vorsichtig zu dosieren.
CBD hingegen wird eine entzündungshemmende, angstlösende und beruhigende Wirkung zugeschrieben. Ihm werden ebenfalls schmerzlindernde Effekte nachgesagt und die Nebenwirkungen fallen milder aus. CBD wirkt nicht psychoaktiv – das ist einer der größten Unterschiede zwischen CBD und THC.
Für Endometriose-Patientinnen bedeutet das: Cannabis bei Endometriose soll Schmerzen lindern, Übelkeit reduzieren und allgemein das Wohlbefinden steigern. Da die Erkrankung nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit psychischen Beschwerden einhergeht, ist die beruhigende Wirkung von Cannabis bei Endometriose ebenfalls sehr geschätzt.
Die Wissenschaft ist sich noch nicht ganz einig, wie Endometriose überhaupt entsteht. Deshalb gibt es noch keine Therapiemöglichkeit, um die Krankheit vollständig zu heilen. Allerdings gibt es einige Studien dazu, wie sich die Symptome von Endometriose lindern lassen. Cannabis spielt dabei definitiv eine Rolle.
Die Wirkstoffe der Cannabispflanze sollen einen schmerzlindernden Effekt haben. Das macht sie bei Endometriose-Patientinnen so gefragt. Es wurde entdeckt, dass sich die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems im gesamten menschlichen Körper befinden – also auch in der Gebärmutter sowie in Endometriose-Herden. Cannabinoide sollen somit laut aktuellem Forschungsstand bei Endometriose-Patientinnen Schmerzen modulieren und Entzündungen hemmen können.
Dass Cannabis gegen Schmerzen helfen soll, ist keine neue Erkenntnis: Bei vielen Erkrankungen kommt Cannabis bereits rege als Arzneimittel zum Einsatz, um Schmerzen entgegenzuwirken.
In einer klinischen Pilotstudie an der Charité Berlin wurde die Wirkung von Cannabis bei Endometriose genauer unter die Lupe genommen: 22 Frauen mit Endometriose wurden drei Monate lang mit einem Vollspektrum-Cannabis-Extrakt behandelt. Die Probandinnen berichteten von folgenden Effekten:
Die Frauen, die an der Studie teilnahmen, sprachen zudem von einer guten Verträglichkeit von Cannabis bei ihrer Endometriose. Da nicht nur die Beschwerden während der Menstruation gelindert wurden, sondern auch die Lebensqualität im Rest des Zyklus zunahm, liegt die Annahme nahe, dass Cannabis für Frauen mit Endometriose eine große Unterstützung sein kann.
Viele Frauen mit Endometriose kennen den Griff zu Schmerzmitteln nur zu gut. Meist sind es Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR oder Opioide. Doch es lohnt sich, die bisherige Vorgehensweise zu überdenken. Schließlich möchtest du nicht ein Leben lang auf die Einnahme synthetischer Schmerzmittel, die man eigentlich gar nicht langfristig einnehmen sollte, angewiesen sein. Klassische Schmerzmittel oder Cannabis – was sagt der Vergleich?
Cannabis |
Herkömmliche Schmerzmittel |
|
Schmerzlinderung |
Je nach Dosierung mittelstark bis stark; bei akuten und chronischen Schmerzen geeignet |
Stark, aber nur bei akuten Schmerzen geeignet |
Toleranz |
Toleranz möglich (noch keine ausreichenden Forschungsergebnisse) |
Führt unweigerlich zur Toleranz |
Langfristige Einnahme |
Tägliche Einnahme möglich |
Nicht für den langfristigen Gebrauch geeignet |
Nebenwirkungen |
Vorübergehende Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, psychoaktive Effekte |
Magen-Darm-Probleme, Abhängigkeit, Leberschäden |
Gleichzeitig solltest du berücksichtigen, dass es bei der Einnahme von Cannabis bei Endometriose zu Wechselwirkungen mit Hormonpräparaten kommen kann. Hier sollte erst abgeklärt werden, ob Cannabis ergänzend möglich ist oder ob es dabei möglicherweise zu Problemen kommt.
Neben der schmerzlindernden Wirkung von Cannabis bei Endometriose werden auch andere Effekte von Patientinnen sehr geschätzt. Durch die Aktivierung von CB2-Rezeptoren in Immunzellen soll auch eine entzündungshemmende Wirkung erzielt werden. Gleichzeitig wird die Stimmung der Betroffenen verbessert und Angstgefühle können effektiv abgebaut werden. Auch Schlaf ist essenziell für die Erholung und Regeneration des Körpers – Endometriose-Patientinnen leiden jedoch häufig unter Schlafstörungen. Cannabis werden auch schlaffördernde und entspannende Wirkungsweisen zugeschrieben – somit ist es bei Endometriose in vielen Fällen besser als herkömmliche Schmerzmittel geeignet.
Um eine Cannabistherapie zu beginnen, begeben sich Endometriose-Patientinnen zunächst zu ihrem Arzt. Hier wird abgeklärt, welche Darreichungsformen infrage kommen und welche Dosierung zu empfehlen ist. Jeder Mensch reagiert etwas anders auf Cannabis und hat eigene Präferenzen, weshalb Cannabistherapien bei Endometriose sehr unterschiedlich aussehen können.
Bei der Dosierung ist zu sagen: Halte dich immer an die Verschreibung deines Arztes und taste dich langsam heran. Gerade bei Personen, die noch nie zuvor Cannabis konsumiert haben, kann es zu unerwarteten Nebenwirkungen kommen. Es ist also wichtig, nicht direkt mit der vollen Dosis einzusteigen, sondern sie Schritt für Schritt zu steigern, bis der gewünschte Effekt eintritt.
Experten raten, bei THC-haltigen Produkten mit 1-2,5 mg THC am Tag und maximal 5-10 mg am Tag zu beginnen. Um das Risiko für Nebenwirkungen zu minimieren, ist die Kombination mit 10-20 mg CBD zu empfehlen. Je nachdem, was dein Arzt dir empfiehlt, kannst du Cannabis bei Endometriose täglich einnehmen. Unter ärztlicher Kontrolle kann die Dosierung angepasst werden.
Bei den Darreichungsformen hast du eine große Auswahl an Möglichkeiten:
Gerade dann, wenn du Cannabis am Arbeitsplatz gegen deine Endometriose einnehmen möchtest, ist eine unkomplizierte und diskrete Option gefragt.
Bevor du eine Cannabistherapie gegen deine Endometriose beginnst, solltest du die möglichen Nebenwirkungen von Cannabis kennen. Diese sind meist auf Tetrahydrocannabinol (THC) zurückzuführen:
Daher ist ein verantwortungsvoller Gebrauch das A und O. Um ein Rezept für Cannabis bei Endometriose zu bekommen, musst du ohnehin mit deinem Arzt Rücksprache halten. Dieser sollte dich eingehend über die Risiken und möglichen Nebenwirkungen aufklären. Ideal ist es, wenn er deine gesamte Krankheitsgeschichte kennt. So kann abgewogen werden, ob Cannabis bei deiner Endometriose wirklich sinnvoll ist oder nicht.
Da die Forschungen zu Cannabis bei Endometriose noch lange nicht abgeschlossen sind, gibt es noch keine umfangreichen Daten zur Langzeitwirkung. Ebenso werden die Toleranzentwicklung und Abhängigkeit noch erforscht. Eine enge Zusammenarbeit mit deinem Arzt ist also unverzichtbar.
Des Weiteren solltest du dir bewusst machen, dass die Kosten für eine Cannabistherapie bei Endometriose nicht immer von der Krankenversicherung übernommen werden. Stelle hierzu einen Antrag bei deinem Versicherer – am besten mit einem Schreiben von deinem Arzt, der erklärt, warum Cannabis bei deiner Endometriose ideal wäre.
Endometriose beeinträchtigt die Lebensqualität von Betroffenen häufig enorm. Medizinisches Cannabis soll Abhilfe schaffen. Eine Studie der Charité Berlin zeigte, dass sich durch Cannabis Schmerzen und Entzündungen reduzieren lassen. Außerdem nahmen auch andere Beschwerden, die in Zusammenhang mit Endometriose stehen, ab. Wenn du unter Endometriose leidest und es mit einer Cannabistherapie versuchen möchtest, solltest du dich an deinen Arzt wenden.
Ja, gemäß aktuellem Forschungsstand kann Cannabis bei Endometriose helfen. Die Cannabinoide THC und CBD sollen Schmerzen und Entzündungen lindern, Muskelkrämpfe entspannen und die Stimmung heben. Auch begleitende Symptome wie Übelkeit und Schlaflosigkeit können dadurch reduziert werden. So kann Cannabis die Lebensqualität von Endometriose-Patientinnen verbessern.
Cannabis wird nachgesagt, gegen eine große Anzahl von Schmerzen zu helfen. Auch Unterleibsschmerzen – seien sie chronisch oder akut – können mit Cannabis therapiert werden. Zu nennen sind vor allem die schmerzlindernden und entzündungshemmenden Effekte der Cannabinoide.
Bei Schmerzen im Zuge von Endometriose kommen meist herkömmliche Schmerzmittel wie NSAR und Opioide zum Einsatz. Einige Patientinnen versuchen es auch mit Hormontherapien. Auch Cannabis gilt als vielversprechender Therapieansatz, der die Symptome von Endometriose lindern kann.
Cannabis wird bei verschiedenen Arten von Schmerzen verschrieben. Du kannst es bei chronischen sowie akuten Schmerzen einnehmen. Cannabis ist daher auch bei Endometriose geeignet – allerdings nur nach vorheriger ärztlicher Abklärung.