Cannabis-Rezept für Kassenpatienten: Kostenübernahme & Beantragung einfach erklärt

Cannabis-Rezept für Kassenpatienten: Kostenübernahme & Beantragung einfach erklärt

Geschrieben von: Pia Franziska Kraus

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Lesezeit 7 min

Cannabis-Rezept für Kassenpatienten: Kostenübernahme & Beantragung einfach erklärt

Bei bestimmten Erkrankungen kommt Cannabis als alternative Therapiemöglichkeit infrage. Doch wie erhalten Kassenpatienten ein Cannabis-Rezept? Und was solltest du beachten, ehe du dir Cannabis auf Rezept verordnen lässt? Alles Wissenswerte rund um Kostenübernahme und Beantragung erfährst du in diesem Artikel.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Medizinisches Cannabis umfasst standardisierte Cannabisprodukte, die streng kontrolliert werden.

Ärzte können Kassenpatienten ein Cannabis-Rezept ausstellen, wenn eine schwere Erkrankung vorliegt.

Eine Genehmigung seitens der Krankenkasse ist zwar nicht mehr nötig, doch ein Antrag auf Kostenübernahme ist sinnvoll.

Es ist heute dank der Teillegalisierung 2024 gar nicht mehr schwierig, ein Cannabis-Rezept als Kassenpatient zu erhalten.

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Was ist medizinisches Cannabis und wann darf es verschrieben werden?

Vielen denken, wenn sie den Begriff „Cannabis“ hören, zunächst an eine Droge. Tatsächlich wurde die Cannabispflanze immer wieder aufgrund ihrer potenziell berauschenden Wirkung missbraucht. Allerdings steckt in der Pflanze noch viel mehr. Richtig dosiert und angewandt kann Cannabis sogar einen medizinischen Nutzen erfüllen.


Bereits seit 2017 kann Cannabis in Deutschland auf Rezept erhalten werden. Lange Zeit sah der Prozess so aus, dass du einen Antrag bei deiner Krankenversicherung stellen musstest und das Rezept Medizinalcannabis erst dann erhalten hast, wenn er genehmigt wurde. Seit 2024 dürfen Ärzte ganz unkompliziert Cannabis-Rezepte ausstellen. Eine Genehmigung durch die Krankenkasse muss nicht mehr erfolgen. Das liegt daran, dass Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz ausgegliedert wurde.


Unter „Medizinalcannabis“ bzw. „medizinisches Cannabis“ versteht man standardisierte Cannabisprodukte, die als Arzneimittel verwendet werden. Sie werden unter streng kontrollierten Bedingungen angebaut und verarbeitet. Dazu zählen getrocknete Blüten sowie Cannabis-Extrakte oder Fertigarzneimittel wie Tabletten, Kapseln, Salben und mehr.


Cannabis auf Rezept erhalten diejenigen Patienten, die unter einer schweren Erkrankung leiden oder chronische Beschwerden haben. Eine weitere Voraussetzung besteht darin, dass herkömmliche Therapien bereits ausgetestet wurden und nicht die gewünschte Wirkung erzielen oder zu starke Nebenwirkungen mit sich bringen. Es muss zudem davon ausgegangen werden können, dass sich die Beschwerden durch die Einnahme von Cannabis reduzieren.


Klassischerweise kommt Medizinalcannabis in folgenden Szenarien infrage:


  • Spastiken bei einer Multiplen Sklerose
  • Chronische Schmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen im Zuge einer Chemotherapie
  • Tumorerkrankungen

Auch andere Erkrankungen und Beschwerden geben Indikation für eine Cannabistherapie. Wichtig ist in jedem Fall die individuelle Abklärung bei deinem Arzt, damit die Vorgehensweise gefunden werden kann, die dir die besten Chancen auf Linderung ermöglicht.

Cannabis-Rezept als Kassenpatient beantragen: So geht’s Schritt für Schritt

Möchtest du eine Cannabistherapie beginnen und benötigst ein Cannabis-Rezept als Kassenpatient? Wir haben die wichtigsten Tipps für dich, wie du Cannabis auf Rezept erhältst. Halte dich dazu einfach an unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung:


  1. Beratungsgespräch bei deinem Arzt: Die absolute Grundlage für ein Cannabis-Rezept als Kassenpatient ist ein eingehendes Beratungsgespräch bei deinem Arzt. Dieser prüft, ob eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt und ob Cannabis bei dir eine Chance der Besserung bringen kann. Außerdem sollten Vorerkrankungen und bisherige Therapien und Medikamente genau beleuchtet werden.
  2. Antrag bei der Krankenkasse: Zwar muss die Krankenversicherung seit 2024 keine Genehmigung mehr erteilen, damit du das Cannabis-Rezept als Kassenpatient überhaupt erhältst. Wenn du jedoch willst, dass sie die Kosten trägt, ist ein Antrag auf Kostenübernahme nötig. Füge alle erforderlichen medizinischen Unterlagen an – viele davon erhältst du von deinem Arzt.
  3. Prüfung der Krankenversicherung: Nun heißt es: abwarten. Die Krankenkasse und vielleicht auch der Medizinische Dienst prüfen, ob sie die Kosten für deine Cannabistherapie als Kassenpatient übernehmen.
  4. Rezept ausstellen lassen: Wenn der Antrag genehmigt wurde, kann dein Arzt dir ein gültiges Rezept ausstellen, dass du in der Apotheke einlösen kannst. So kannst du dein medizinisches Cannabis abholen und mit der Therapie beginnen.
  5. Rezept einlösen: Cannabis ist rezept- und apothekenpflichtig, weshalb du dein Rezept in einer Apotheke einlösen musst. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten abzüglich der üblichen Rezeptgebühr.

Wenn du als Kassenpatient dein Cannabis-Rezept in der Apotheke einlösen möchtest, stellst du womöglich fest, dass die Auswahl an Produkten nicht gerade groß ist. Daher empfiehlt es sich, dich an eine spezialisierte Cannabis-Apotheke zu wenden. Diese gibt es vor Ort oder auch online. So findest du das passende Medizinalcannabis für deine Bedürfnisse.

Cannabis Rezept kostenlos? Das zahlt die Krankenkasse wirklich

Wie bereits erwähnt, zahlt die Krankenkasse tatsächlich nicht die vollen Kosten für deine Cannabistherapie. Als Kassenpatient bekommst du dein Cannabis auf Rezept also nicht direkt kostenlos.


Damit überhaupt Kosten übernommen werden, musst du folgende Voraussetzungen mitbringen:


  • Schwerwiegende Erkrankung
  • Andere Therapien bisher ohne Erfolg
  • Aussicht auf positive Effekte durch Cannabis

Das Cannabis-Rezept ist für Kassenpatienten grundsätzlich kostenlos. Was du jedoch selbst zahlen musst, ist die übliche Rezeptgebühr. Diese beträgt 10 % des Preises für das Medikament, allerdings mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro.

Cannabis-Rezept online beantragen: Wie funktioniert das legal?

Damit Ärzte ein Cannabis-Rezept an Kassenpatienten ausstellen dürfen, benötigen sie eine bestimmte Qualifikation. Bei folgenden Ärzten bist du gut aufgehoben, wenn du eine Cannabistherapie beginnen möchtest:


  • Fachärzte für Allgemeinmedizin
  • Fachärzte für Anästhesiologie
  • Fachärzte für Gynäkologie
  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Fachärzte für Endokrinologie und Diabetologie
  • Fachärzte für Gastroenterologie
  • Fachärzte für Hämatologie
  • Fachärzte für Infektiologie
  • Fachärzte für Kardiologie
  • Fachärzte für Rheumatologie
  • Fachärzte für Pneumologie
  • Fachärzte für Nephrologie
  • Fachärzte für Neurologie
  • Fachärzte für Psychotherapie und Psychiatrie
  • Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Auch Ärzte in den Bereichen Schlafmedizin, Palliativmedizin, Geriatrie, Schmerztherapie oder medikamentöser Tumortherapie können Kassenpatienten ein Cannabis-Rezept ausstellen, ohne dass es die Krankenkasse genehmigen muss.


Vielleicht möchtest du mit deinem Anliegen jedoch nicht deinen Hausarzt aufsuchen oder hast keinen entsprechenden Spezialisten in deiner Nähe. In diesen Fällen kannst du ein Cannabis-Rezept als Kassenpatient auch einfach online beantragen. So wie du auch legal eine Online-Krankschreibung erhalten kannst, ist es dank Telemedizin möglich, auch ein Rezept für Medizinalcannabis zu bekommen.


Wichtig ist dabei nur: Das Rezept wird dir von einem Arzt ausgestellt, der auch dazu befugt ist. Dazu hast du zwei Optionen:


  • · Telefon- oder Videosprechstunde über die Webseite eines Arztes vereinbaren
  • · Telemedizinische Plattform nutzen

Als Telemedizin werden alle ärztlichen Leistungen bezeichnet, die von der Ferne mithilfe der Telekommunikation durchgeführt werden. Eine telefonische Beratung durch einen Arzt ist also ebenso eine telemedizinische Leistung wie eine Sprechstunde via Videocall.


Einige telemedizinische Plattformen haben sich auf Cannabistherapien spezialisiert. Das hat den großen Vorteil, dass du einen kompetenten Ansprechpartner am anderen Ende der Leitung hast, der dich ausführlich über medizinisches Cannabis aufklären kann. Zudem ist es dadurch oft einfacher, ein Cannabis-Rezept als Kassenpatient zu bekommen.


Wenn du als gesetzlich Versicherter eine private Krankschreibung über eine entsprechende Plattform erhältst, zahlst du üblicherweise eine Gebühr. Das Gleiche gilt für die Ausstellung von Rezepten. Das liegt daran, dass es sich um eine privatärztliche Leistung handelt. Wenn du jedoch direkt über den Kontakt einer Arztpraxis gehst, ist es wahrscheinlich, dass diese Kosten nicht anfallen.

Wichtig: Damit das Cannabis-Rezept für dich als Kassenpatient wirklich gültig und legal ist, solltest du nur seriöse Online-Anbieter wählen. In Deutschland dürfen nach wie vor nur echte Ärzte Cannabis auf Rezept verordnen!

Ablehnung durch die Krankenkasse: Was tun?

Wenn du einen Antrag bei der Krankenkasse auf Kostenübernahme einreichst, bedeutet das nicht automatisch, dass diese die Kosten gleich übernimmt. Wenn dein Antrag abgelehnt wird, musst du jedoch nicht zwangsläufig selbst für deine Cannabistherapie aufkommen.


Die Kriterien für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse sind streng. Was du als Kassenpatient jedoch tun kannst, um ein kostenloses Cannabis-Rezept zu erhalten ist: Widerspruch einlegen.


Dieser Widerspruch muss schriftlich erfolgen und begründet sein. Nimm dazu Stellung, warum du mit der Entscheidung deiner Krankenversicherung nicht einverstanden ist. Ideal ist eine ärztliche Stellungnahme, weshalb du dich unbedingt mit deinem behandelnden Arzt in Verbindung setzen solltest.


Wie lange es dauert, bis die Versicherung deinen Widerspruch bearbeitet hat, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Wenn der Medizinische Dienst involviert ist, kann es durchaus länger dauern, bis du eine Antwort bekommst. 

Falls die Krankenkasse nicht zu neuen Erkenntnissen kommt, kann sie deinen Antrag auf Kostenübernahme nach wie vor ablehnen. In diesem Fall hast du die Option, Klage beim zuständigen Sozialgericht zu erheben, was ebenfalls kostenlos ist.


Alternativ kannst du als Kassenpatient ein kostenpflichtiges Cannabis-Rezept in Kauf nehmen. So trägst du zwar die Kosten für deine Cannabistherapie selbst, doch das Medizinalcannabis bleibt dir nicht verwehrt. Man spricht in dem Fall von einem Privatrezept, da du als Selbstzahler auftrittst.

Fazit

Als Kassenpatient kannst du heute einfacher denn je ein Cannabis-Rezept erhalten. Um nicht selbst für deine Cannabistherapie zahlen zu müssen, solltest du einen Antrag auf Kostenübernahme bei deiner Krankenversicherung einreichen. Falls dieser abgelehnt wird, hast du die Möglichkeit, einen Widerspruch einzulegen oder zu klagen. Was jedoch sicher ist: Kassenpatienten erhalten 2025 ein Cannabis-Rezept von ihrem Arzt problemlos, wenn eine entsprechende Indikation vorliegt.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Cannabis-Rezepten für Kassenpatienten

Wo kann ich ein kostenloses Cannabisrezept bekommen?

Die meisten Ärzte in Deutschland sind befugt, Kassenpatienten Cannabis auf Rezept auszustellen. Auch online gibt es Ärzte, die sich darauf spezialisiert haben und dich eingehend beraten und dir eine Verordnung übermitteln können. Kostenlos ist deine Cannabistherapie jedoch nur, wenn du einen Antrag bei der Krankenkasse stellst und dieser auch genehmigt wird. 

Kann ich ein Cannabis-Rezept online beantragen?

Ja, einige telemedizinische Plattformen haben sich auf Cannabistherapien spezialisiert und können dir nicht nur eine fundierte Beratung geben, sondern dir auch ein entsprechendes Cannabis-Rezept für Kassenpatienten ausstellen.

Wird ein Cannabisrezept bei der Krankenkasse gemeldet?

Wenn du möchtest, dass die Krankenkasse die Kosten für deine Cannabistherapie übernimmt, musst du einen entsprechenden Antrag einreichen. Ansonsten melden Ärzte deiner Versicherung nicht, dass du ein Cannabis-Rezept bekommen hast – selbst bei Kassenpatienten.

Welche Voraussetzungen braucht man für ein Cannabisrezept als Kassenpatient?

Als Kassenpatient kannst du ein Cannabis-Rezept dann erhalten, wenn eine schwere Erkrankung vorliegt, bisherige Therapien erfolglos waren und der Verdacht naheliegt, dass Cannabis deine Beschwerden lindern kann. Die Voraussetzungen sind daher streng – noch strenger werden sie jedoch betrachtet, wenn es um die Kostenübernahme durch die Krankenkasse geht.